Leider hört man immer wieder, dass viele Eltern die Kindervorsorgeuntersuchungen nicht zuverlässig durchführen lassen. Für mich ist das total erschreckend, denn diese Untersuchungen sind meiner Ansicht nach schon wichtig. Es gibt keinen Grund, diese Untersuchungen nicht durchführen zu lassen, denn die meisten davon werden von der Krankenkasse übernommen - dazu aber später noch mehr. Es ist also vielmehr die Unzuverlässigkeit oder gar Faulheit, die Eltern dazu veranlasst diese Untersuchungen einfach nicht durchführen zu lassen. Immerhin kann man bei den Kindervorsorgeuntersuchungen vom Arzt mitgeteilt bekommen, ob sich das Kind altersgerecht entwickelt hat. Eventuelle Schwachstellen der Entwicklung können frühzeitig erkannt werden, damit man sie noch rechtzeitig beseitigen kann. Außerdem kann vom jeweiligen Arzt beurteilt werden, ob es sich in diversen Fällen um Vernachlässigiung, Verwahrlosung oder gar um Kindesmisshandlung handelt. Nicht umsonst hat der gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen in den "Kinder-Richtlinien" die ärztlichen Maßnahmen zur Früherkennung von Krankheiten bei Kindern bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres festgelegt. Für diese Kindervorsorgeuntersuchungen bekommt man bei der Geburt des Kindes ein gelbes U-Heft überreicht, in dem die Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9 vom Arzt eingetragen werden können.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der meisten Untersuchungen. Im Mai 2006 kamen vier weitere Untersuchungen dazu (U7a, U10, U11 sowie die J2). Seit 2008 steht die U7a im Pflichtangebot der gesetzlichen Krankenversicherungen und muss dadurch nicht mehr extra bezahlt werden. Je nach Krankenkasse werden sogar die U10, U11, die J1 und die J2 übernommen. Hier sollte man einfach bei der jeweiligen Krankenkasse anfragen und ggf. nicht locker lassen.
Nachfolgend möchte ich euch in einer Kurzfassung die Inhalte der einzelnen Untersuchungen aufzeigen:
- Bevor es mit den U-Untersuchungen beginnt, erfolgt in der 1., 5. und 10. Lebensminute des Kindes eine Bewertung nach dem Apgar-Score. Hier wird das Baby gemessen und gewogen, das Blut und die Nabelschnur werden untersucht.
- Die U1 wird in der 2.–4. Lebensstunde durchgeführt. Hier wird geschaut, ob alle vitalen Funktionen voll funktionsfähig sind. Es wird also die Atmung und der Herzschlag überprüft. Sofern hier Defekte entdeckt werden, kann sofort gehandelt werden. Außerdem wird nach dem Körpergewicht, der Körperlänge wie auch nach dem Kopfumfang des Kindes geschaut. Wichtig ist hier auch die Hautfarbe sowie die Muskelspannung der Reflexe.
- Die U2 wird meist zwischen dem 3.–10. Lebenstag in der Entbindungsklinik durchgeführt. Hier werden Haut, Organe, Geschlechtsteile beurteilt und außerdem Blut zum Screening entnommen. In diesem Blut sollen verschiedene angeborene behandelbare Stoffwechselkrankheiten und Hormonstörungen erkannt werden. Außerdem wird ein Hörscreening durchgeführt.
- Zwischen der 4.–6. Lebenswoche findet dann die U3 statt. Meist ist dies der erste Besuch des Babys beim Kinderarzt. Er überprüft die Körperfunktionen, Hörvermögen und führt ggf. einen Hüftultraschall durch (bei 1-3 % aller Neugeboreren. (Anmerkung: Bei uns wieder dieses Neugeborenen-Hüftscreening durchgeführt.)
- Die U4 erfolgt dann erst zwischen dem 3.–4. Lebensmonat. Bei dieser Kindervorsorgeuntersuchung soll das Bewegungsverhalten, aber auch die motorischer Entwicklung des Kindes untersucht werden. Ebenso wird der Arzt das Hüftgelenk sowie auch das Hör- und Sehvermögen überprüfen und wohl auch über Routineimpfungen aufklären oder gar durchführen.
- Zwischen dem 6. und 7. Lebensmonat des Kindes wird der Arzt die U5 durchführen. Auch hier wird es hauptsächlich um körperliche Entwicklung des Kindes gehen. Zudem wird das Kind natürlich komplett untersucht.
- Bei der U6, die zwischen dem 10. und 12. Lebensmonat stattfindet, geht es neben der körperlichen Entwicklung hauptsächlich um die Sprache. Es wird geschaut, ob das Kind bereits sitzen, krabbeln oder gar stehen kann. Vielleicht kann das Kind sogar schon die ersten Schritte laufen. Außerdem wird kontrolliert, wie das Kind auf vertraute Geräusche reagiert und ob es vielleicht schon Worte wie "Mama" oder "Papa" sprechen kann.
- Sinnesorgane sowie die motorische Entwicklung werden das Thema der U7 sein. Diese Untersuchung sollte zwischen dem 21. und dem 24. Lebensmonat durchgeführt werden. Mit diesem Alter sollte das Kind bereits sicher laufen können. Zudem wird darauf geachtet, ob es bekannte Gegenstände benennen und vielleicht auch zuorden kann.
- Neu dazugekommen ist dann ja 2006 die U7a, die zwischen dem 34. bis 36. Lebensmonat durchgeführt werden soll. Es soll sowohl die körperliche Gesundheit wie auch die psychischen Erkrankungen untersucht werden. Der Arzt wird hier verhaltenstechnische Auffällgkeiten sicher schnell feststellen. Außerdem sollen Allergien und Übergewicht erkannt werden.
Zu diesen bisher genannten Kindervorsorgeuntersuchungen kann ich sagen, dass es alles andere als schlimm war. Ich bin mit unserem Kind zum Arzt gegangen, wo sie gewogen, gemessen und gründlich untersucht wurde. Eventuelle Auffälligkeiten werden dabei in dieses "gelbe Heft" eingetragen, damit sie bei der nächsten Untersuchung wieder kontrolliert werden können. Ansonsten wird mit dem Arzt über aktuelle Themen (Ernährung, sauberwerden, Schlafen, ...) gesprochen. Bei uns ging es jetzt mit der U8 weiter, was ich persönlich schon viel interessanter gefunden habe. In der Übersicht wird deshalb der Inhalt zur U8 etwas ausführlicher sein. Meine Ausführungen zu den Inhalten ab der U9 habe ich im Internet recherchiert. Sowieso muss man sagen, dass es je nach Kinderarzt anders ablaufen wird.
- Zwischen dem 46.–48. Lebensmonat sollte man die U8 durchführen lassen. Hier werden neben der Beweglichkeit auch die Koordinationsfähigkeit des Kindes sowie Reflexe, Aussprache, Muskelkraft und evtl. der Zahnstatus untersucht. Bei uns ist es so abgelaufen, dass nach dem wiegen und messen die Untersuchung durchgeführt wurde. Hierzu durfte/sollte sich unsere Tochter soweit es ging alleine ausziehen, angefangen von den Schuhen bis hin zum Unterhemd. Nach der Untersuchung musste sie auf einer Tafel, wie man sie vom Augenarzt kennt, verschieden große Motive benennen. Hierbei ging es in erster Linie um das Sehvermögen, allerdings auch darum, ob das Kind normale Alltagsgegenstände erkennen und benennen kann. Jetzt musste sie sich auch wieder alleine anziehen, natürlich konnte ich teilweise mithelfen. Danach musste die Kleine verschiedene Striche und Formen nachzeichnen und auch erkennen, welcher von drei Strichen der Längste ist. Bei uns war es beispielsweise ein Viereck, ein Kreuz, ein Kreis. Nachdem nun auch noch ein Drei-Teile-Männchen gemalt werden musste, wurde zur Schere und auch zum Klebstift gegriffen. Unsere Kleine musste/durfte zwei Dreiecke aus einem Blatt Papier ausschneiden und danach wieder aufkleben. Wir ihr seht, waren es lauter Aufgaben, die normal entwickelten Kindern in diesem Alter keine großen Probleme bereiten sollten. Nachmalen, ausschneiden und ein Männchen malen, solche Dinge machen die Kinder doch sowieso gerne. Während die Mama mit der Ärztin verschiedene Dinge besprochen hat, durfte die Kleine mit Bauklötzchen spielen, sie zählen und einen Turm damit bauen.
- Die U9 findet zwischen dem 60.–64. Lebensmonat statt. Sie ist eine besonders wichtige Untersuchung, weil sie im Jahr vor der Einschulung stattfindet. Ebenso wie bei der U8 werden auch hier Tests in Richtung Koordinationsfähigkeit, Sprachverständnis und auch in Richtung Sehvermögen gemacht. Ein Kind sollte hier beispielsweise ein Männchen aus 6 Teilen malen können.
- Wenn das Kind zwischen dem 7.–8. Lebensjahr ist, sollte man einen Termin für die U10 ausmachen. Bei dieser Untersuchung wird es in erster Linie darum gehen, ob irgendwelche Entwicklungsstörungen vorliegen. Diese Untersuchung ist zwar freiwillig, dennoch sollte man sie durchführen lassen, damit man so manches vielleicht verhindern kann.
- Die U11 findet zwischen dem 9.–10. Lebensjahr statt. Hier sollen Schulleistungsstörungen erkannt werden, aber auch das normale Verhalten durch den Arzt gesichtet werden. Es wird bei dieser Untersuchung aber auch um das Medienverhalten und um den Umgang mit Suchtmitteln gehen. Die Teilnahme an dieser Untersuchung ist freiwillig, wobei ich sie dennoch durchführen lassen würde.
- Nach den U-Untersuchungen kommen zwischen dem 13.-15. Lebensjahr die J1 (Jugendgesundheitsuntersuchung) und zwischen dem 17.-18. Lebensjahr die J2 an die Reihe. Beide Vorsorgeuntersuchungen gehen in Richtung Pubertätsentwicklung, Haltungsstörungen, Kropfbildung, Diabetes-Vorsorge, Blutdruck usw.
Ich persönlich kann nur sagen, dass ihr komplett ohne Angst und Nervosität zu diesen Untersuchungen gehen könnt. Es ist überhaupt nichts schlimmes dabei, wenn das Kind komplett untersucht wird und nach dem Stand der Entwicklungen geschaut wird - eher im Gegenteil. Vielleicht kann der Arzt so frühzeitig etwas erkennen, was man noch relativ einfach behandeln kann. Unsere kleine Maus darf beispielsweise immer ihr Kuschel-Pony mit zur Untersuchung nehmen, damit sie einfach etwas gewohntes bei sich hat.